Autor: Jochen Metzger
Erinnerungen machen glücklich
Die Bedeutung des Erinnerns
Was vom Leben übrig bleibt, haben wir im Kopf. Das Gedächtnis speichert Erlebnisse, die uns prägen. Forscher wissen jetzt: Wer Erinnerungen bewusst pflegt, lebt zufriedener
Es war ein heißer Tag im Mai, als sie mich angelächelt hat. Alles roch nach Wiese, und das hohe Gras kitzelte die nackten Beine. Irgendwo spielte eine Band. Dann berührten sich unsere Hände. Mann, war ich verknallt! Die erste Liebe, der erste Kuss, die erste Nacht in der neuen Wohnung – unsere Erinnerung hat zahllose Momente des Lebens auf wundersame Weise gespeichert. Seit Jahrzehnten fasziniert Psychologen, mit welcher Exaktheit das Gehirn bestimmte Augenblicke bewahrt. Erst allmählich gelingt es der Wissenschaft, die geheimen Regeln der Erinnerung zu entschlüsseln – mit überraschenden Konsequenzen für unseren Alltag.
Denn neue Studien zeigen, dass wir es offenbar selbst in der Hand haben, die Geschichte unserer Biografie neu zu schreiben und dadurch im Hier und Jetzt glücklicher zu werden. Die meisten Gedächtnisleistungen erscheinen banal: Wir können uns merken, dass Äpfel lecker schmecken – geschenkt! Manche Bewegungsabläufe beherrschen wir ein Leben lang – das können aber auch Schnecken! Selbst beim viel gepriesenen „Wer wird Millionär?“- Wissen („Wie heißt die Hauptstadt Moldawiens?“) spielt sich im Gehirn nichts anderes ab als bei Ratten, die im Versuchslabyrinth den Weg zum Futter auswendig lernen. „Die meisten Arten der Erinnerung funktionieren bei uns wie bei Tieren“, erklärt der Bielefelder Hirnforscher Professor Hans Markowitsch. „Das episodische Gedächtnis finden wir aber nur beim Menschen.“
Quelle: Für Sie, Ausgabe 25/2009


