Autor: Dorothea Palte
Seite 2 aus dem Artikel: Biofeedback
Von ADHS bis Tinnitus: vielseitig einsetzbar
VON ADHS BIS TINNITUS: VIELSEITIG EINSETZBAR
Es gibt darüber hinaus viele andere Anwendungsmöglichkeiten. So leiden chronische Schmerzpatienten zum Beispiel häufig unter Depressionen und Angstzuständen. Auch hier hat Biofeedback positive Effekte. Ohnehin können Krankheiten, die ganz oder zum Teil psychosomatischer Natur sind, mit der Methode gut behandelt werden. Als Leitender Psychologe der Klinik Roseneck in Prien am Chiemsee blickt Jörg Heuser auf 19 Jahre Erfahrung zurück: „Wir haben Biofeedback auch bei Erkrankungen wie Tinnitus und Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Angstattacken, Depressionen, bei ADHS, Epilepsie sowie gegen Inkontinenz, Asthma und Bluthochdruck erfolgreich angewendet.“ Was genau dabei gemessen und beobachtet wird, ist unterschiedlich. Es gibt verschiedene Messwerte, die je nach Krankheitsbild hilfreich sind, wie Heuser erklärt. „Die Elektromyografie misst die Muskelspannung, hilfreich bei verspannungsbedingten Schmerzen. Der Hautwiderstand ist ein Zeichen für Stress und innere Anspannung. Zudem können wir Herz-Kreislauf-Funktionen wie den Blutdruck oder die Aktivität des Herzmuskels mittels EKG sichtbar machen.“ Besonders interessant ist das relativ neue Neurofeedback: Dabei werden die Gehirnströme gemessen und als EEG angezeigt. Zu lernen, sie zu kontrollieren, kann sogar bei Epilepsie oder Aufmerksamkeitsstörungen helfen. Neuere Studien zeigen, dass Neurofeedback in der Behandlung von ADHS bei Kindern ähnlich gut wirkt wie die klassische medikamentöse Therapie mit Ritalin.
NICHT AUF EIGENE FAUST DAS FEEDBACK DEUTEN
Egal, welches Problem man mit der Methode beheben möchte: Wichtig ist immer, einen erfahrenen Therapeuten aufzusuchen und ein individuelles Therapieprogramm zusammenstellen zu lassen. Biofeedback-Geräte gibt es zwar auch für zu Hause. „Ganz in Eigenregie sollte man sie aber nicht anwenden“, warnt Heuser, „denn man kann sich auch falsche Gedankenmuster einprägen und Beschwerden verschlimmern. Zudem gehören die meisten Anwendungsgebiete eindeutig medizinisch abgeklärt.“ Als Ergänzung seien die Apparate jedoch sinnvoll: „Nach sorgfältiger Einweisung eines Therapeuten können Heimgeräte den Trainingseffekt steigern. Langfristig ist das Ziel aber, die Vorgänge ganz ohne ein Gerät zu steuern.“
Quelle: Für Sie, Ausgabe 13/2009

