Alter spielt keine Rolle
Alter ist nur eine Zahl
Deshalb sollten wir uns davon nicht einschränken lassen. Ein Plädoyer gegen überflüssige Grenzen im Kopf
Die blonden Locken fallen ihr ins Gesicht, auf den Augenlidern glitzert goldener Lidschatten. Sie lächelt leicht. Wirkt zart, fast zerbrechlich auf dem Cover ihres aktuellen Albums. 20, maximal 30 Jahre alt würde man sie schätzen, die Sängerin der Berliner Band 2raumwohnung. Aber Inga Humpe ist 53. Die? Über 50? Das ist die typische Reaktion. Ja, klar, es gibt Madonna, die ist auch schon 51 und Popstar. Aber das ist eine andere Geschichte irgendwie, das ist Hollywood, da ist alles möglich. Inga Humpe hingegen ist näher dran, ist realer als Madonna. Deshalb sind alle so erstaunt. Fast in jedem Interview wird sie darauf angesprochen, dass sie nicht so alt wirkt, wie sie ist. Sie selber kann’s schon nicht mehr hören. Sie denke nicht an ihr Alter, es würde ihr nichts erzählen, sagte Humpe neulich in einem Interview. Sie hat recht: Eigentlich erzählt das Alter auch nichts.
Es ist nur eine Zahl. Und doch hat diese Zahl Macht. Denn sie ist fest verknüpft mit Klischees. Wir haben bestimmte Vorstellungen davon, was man in welchem Alter tut, zu welchen Leistungen man fähig ist. Marathon laufen als 70-Jährige? Ungewöhnlich. Mit über 90 noch als Model vor der Kamera stehen? Noch außerordentlicher. Und eine Anfang 20-Jährige, die ein Orchester dirigiert? Auch das existiert nicht in der angestaubten Welt der Vorurteile. Da sind Dirigenten ehrwürdige alte Herren mit grauen Haaren. Da haben junge Frauen andere Dinge im Kopf als klassische Musik und Dirigieren.
Quelle: Für Sie, Ausgabe 23/2009



